Gedichtinterpretation im Schülerlabor

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften bot 2015/2016 eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel "Schülerlabor Geisteswissenschaften zur Methodik der Gedichtinterpretation" an. Diese sollte Schülerinnen und Schülern einen Einblick in die Arbeit eines Literaturwissenschaftlers gewähren.

Von der Literaturwissenschaftlerin Frau Dr. Yvonne Pauly angeleitet, behandelten wir das Gedicht "Der Spinnerin Nachtlied" von Clemens Brentano unter verschiedensten Aspekten wie den einer Vertonung, der Intertextualität und des autobiographischen Kontextes.

Germanist zu sein, bedeutet, die Stellungnahmen anderer Literaturwissenschaftler zu einem literarischen Erzeugnis zu betrachten und während der Auseinandersetzung mit diesem herauszufinden, wo man selbst mit seinem Meinungsbild steht.

Zu Beginn dieser Auseinandersetzung konzentrierten wir uns auf das Gedicht allein und auf seine Rezeptionsästhetik, also die geistige und emotionale Wahrnehmung des Lesers, welche zur eigentlichen Vollendung des Werkes und der Grundidee einer Interpretation führt.

Im Verlauf des Workshops zogen wir immer mehr Rückschlüsse aus Quellen, die in Bezug mit der Thematik oder Herkunft des Gedichtes standen. Somit entwickelte sich ein komplexes Konstrukt aus Informationen und Zusammenhängen, welches uns einen ganz neuen Zugang zur Bedeutung des Werkes eröffnete. Diese Methodik spiegelt im Großen und Ganzen das Grundkonzept der literaturwissenschaftlichen Vorgehensweise wider.

Der Workshop erlaubte uns interessante Einblicke in die Möglichkeiten der Interpretation und des Umgangs mit Gedichten. Die intensivierte Beschäftigung durch abwechslungsreiche Methoden und synästhetische Betrachtungsebenen erschloss uns tiefreichende und zum Großteil auch unerwartete Ergebnisse. Es bot uns ebenfalls eine ausgefallene Möglichkeit, Schülerinnen und Schüler anderer Berliner Gymnasien kennenzulernen, mit ihnen zu arbeiten und ihre Ansichten zu erörtern.

Begleitet wurde alles von interessanten Diskussionen, die jedoch aufgrund der begrenzten Zeit des Öfteren abgebrochen werden mussten. Auch war die Beschäftigung auf kreativer Ebene nicht jedermann schlüssig, genauso wie die teilweise weithergeholten, detailgestützten Interpretationsansätze.

Dennoch bildete die Veranstaltung eine anschauliche Erweiterung des Deutschunterrichtes. Sie hinterließ einen Eindruck von der Arbeitsweise der Germanisten und erleichterte dadurch die Entscheidungsfindung für oder gegen ein Studium bzw. einen Beruf in Richtung Literaturwissenschaften.

Text: Mirjam Schüller, LK Deutsch, 4. Semester (Schuljahr 2015/16)

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