Winterregen

Es schneit nicht. Es regnet. Die Autofahrer rasen vorbei, nur die Monotonie des Alltags im Kopf, denkend an das nächste Fußballspiel, das Abendessen oder die Lieblingssitcom.

Die Sandhaufen neben den unzähligen Baugruben werden bald ganz zu Matsch geworden sein. Die Menschen weichen ihnen genervt aus, als beschwerten sie sich über die schmutzige Stadt, dabei sind sie es, die mit ihren grimmigen Gesichtern über den Handybildschirmen hängend und alles um sie herum vergessend das Stadtbild beflecken. Sie entfliehen dem echten Leben, um sich in ihren digitalen Netzwerken zu verheddern. Der Tau auf dem schmutzigen Rasen des Mittelstreifens wird heute seine Schönheit nicht lange zeigen können, denn der immer stärker werdende Regen spült alles Glitzern weg. Die unzähligen Regenschirme und Kapuzen auf den Wegen beschleunigen ihren Gang. Ich wende mich von ihnen ab und gehe die Treppe zwischen den Häusern hoch.

Oben ist es ganz still. Nur das gleichmäßige Prasseln der Regentropfen höre ich und das entfernte Rauschen der Straße. Trotz der fehlenden Minusgrade kann man hier auf dem Dach Schlittschuh fahren. Ein einsames Pärchen gleitet Hand in Hand durch den Regenvorhang über die glitzernde Eisbahn. Verliebt schauen sich die beiden an, versunken in eine eigene Welt. Ich drehe mich um und blicke über das Geländer nach unten in den Park. Die Paviane toben aufgereiht in langen Ketten fröhlich ausgelassen um ihren Felsen herum. Gedankenversunken sehe ich lange zu. Den Regen habe ich schon lange vergessen.

Ich drehe mich um, gehe die Treppen hinunter zurück zu den Menschenmassen, zurück in das Treiben der Großstadt. Nach einer Weile blicke ich noch einmal zur Treppe, die sich jetzt in den grauen Wolken zu verlieren scheint, und ich sehe auf der Fassade des Hochhauses die strahlende Aufschrift "Bikini Berlin".

Text: Tabea Seidenkranz, 8c (Schuljahr 2014/15)

 

Es war ein regnerischer Tag. Die dicken Regentropfen knallten auf die Fensterscheiben. Der Regen ähnelte durchsichtigen Fäden, die aus dem blaugrauen Himmel geschossen kamen. Der Boden war klatschnass, große Pfützen bildeten sich auf dem unebenen Pflasterstein im Hof. Das Gras im Garten des Hofes begann vor Nässe zu glänzen. Die Blätter der Birke im Hof hingen traurig herab. Es war der einzige Baum im Hof, er war kahl und krumm.

Ein Mann rannte aus der Tür der anderen Seite des Hauses. Seine Haare waren nass und wurden dunkel und strähnig. Er warf eine Menge Papier in die Altpapiertonne, sogar die Pappe in seiner Hand war durchgeweicht und hing wie ein Lappen herunter. Der Altpapiertonnendeckel knallte dumpf, und der Mann rannte mit verzogenem Gesicht zurück ins Haus.

Auf einmal fing es an zu donnern. Es klang so, als würde eine der Mülltonnen über den Hof gezogen. Kurz darauf erhellte ein Blitz den Himmel. Es sah aus, als hätte jemand das Licht angeschaltet und direkt darauf wieder ausgemacht.

Text: Chiara Alter, 8c (Schuljahr 2014/15)