Und der Preis geht an ...

"Und der Hauptpreis der Bundesbegegnung Jugend Jazzt 2018 geht an… Berlin!"

Eine Schrecksekunde vergeht. Wir gucken uns an und im Bruchteil eines Momentes entscheidet sich jeder von uns für Jubel, Schreien oder Lachen. Sogar ein paar Tränen sind zu sehen. Auch Tage später können wir noch nicht glauben, dass wir zur besten Nachwuchsbigband Deutschlands gekürt worden sind.

Eigentlich begann die Reise schon im Dezember 2017 beim Berliner Jazztreff in der ufa-Fabrik. Dort hatten wir, die United Big Band, uns gegen die anderen teilnehmenden Bands durchsetzen können und waren auserwählt worden, das Land Berlin bei Jugend Jazzt 2018 in Frankfurt zu vertreten. Die Freude war groß, doch wussten wir, dass uns damit eine gewisse Verantwortung zuteil wurde und eine intensive Probenzeit auf uns zukam. Uns war jedoch ebenfalls bewusst, dass es sich um eine einmalige Gelegenheit handelte und wir sie allen Mühen zum Trotz wahrnehmen wollten.

Auf unser jährlichen Probenfahrt im Januar erarbeiteten wir uns ein weitreichendes Repertoire, um später auf viele verschiedene Stücke zurückgreifen zu können. Richtig ernst wurde es im April, als uns klar wurde, dass wir uns mit großen Schritten auf den Wettbewerb zubewegten. Die Proben wurden immer intensiver und die Abstände dazwischen immer kürzer. So schoben wir am Samstag vor unserer Abreise eine fünfstündige und am Abreisetag selbst - Christi Himmelfahrt - um 8 Uhr morgens eine zweistündige Probe ein.

Übermüdet stiegen wir endlich in den Bus Richtung Frankfurt, in dem uns noch einmal verdeutlicht wurde, dass wir uns trotz der ganzen Proben keine allzu großen Hoffnungen machen sollten. Das machte uns auch nicht viel aus, da wir mit der Einstellung "Dabeisein ist alles" an die Sache herangegangen waren.

In Frankfurt angekommen hatten wir etwa fünf Minuten Zeit, unsere Koffer in der Jugendherberge abzustellen, bevor es direkt weiter zur Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) ging. Nach einem schnellen Abendessen im Organisationsdurcheinander aller eintreffenden Bands brachen wir zum Sendesaal des Hessischen Rundfunks auf. Gemeinsam mit den anderen Bands, die die 13 weiteren Bundesländer (Bremen und Saarland nahmen nicht teil) vertraten, genossen wir das Konzert der professionellen hr-Bigband.

Wenige Stunden später am nächsten Morgen liefen wir von Neuem zur HfMDK, um uns die 12 Bands anzuhören, die für diesen Tag eingeteilt waren. Nach nur wenigen Auftritten glaubten wir zu wissen, dass das mit dem Gewinnen wirklich nichts wird. Viele der Bands waren beispielsweise von Musikgymnasien, hatten bereits mit erfolgreichen Bigbands zusammengearbeitet oder bestanden sogar zu großen Teilen aus Musikstudenten. Die Atmosphäre blieb dabei stets positiv, obwohl wir alle miteinander konkurrierten. Hier konnte man erkennen, dass es sich um eine Bundesbegegnung und nicht um einen Bundeswettbewerb handelte. Im Vordergrund stand das Miteinander und der Austausch junger Musiker aus unterschiedlichen Bundesländern.

Obwohl wir uns keine Siegeshoffnungen machten, wollten wir uns und somit Berlin dennoch von unserer besten Seite zeigen, weswegen wir am Nachmittag noch ein letztes Mal probten. Das Abendessen war für die meisten von uns der letzte Punkt auf der Tagesliste, da wir am nächsten Tag früh aufstehen und für unseren großen Auftritt bereit sein mussten.

Um wirklich fit zu sein, müssen Blechbläser, insbesondere Trompeten, drei Stunden vor dem Spielen wach sein. Dementsprechend quälten wir uns um 6.30 Uhr am Samstagmorgen aus den Betten, um das Leid mit unseren Trompeten zu teilen.

Auf einmal ging alles ganz schnell. Der Soundcheck verflog im Nu und ehe wir es uns versahen, saßen wir auf der Bühne vor einem trotz früher Stunde schon gut gefülltem Raum.

Wir eröffneten mit "Part 1", einer Suite, die von unserer Pianistin Franka komponiert und arrangiert wurde. Es folgten "Shiny Stockings", ein Swingklassiker von Count Basie, und "Get In Line", ein Funkstück der Gordon Goodwin Big Phat Band. Unser nächstes Stück "Stormy Weather" war ein Feature für unsere Sängerin Lila. Außergewöhnlich wurde es mit "Kreuzberg Park East", einer zeitgenössischen Komposition des Berliner Saxophonisten Gebhard Ullmann, der uns sein Werk zur freien Bearbeitung zur Verfügung gestellt hatte. Zum Abschluss spielten wir "Living In America", welches sich zwar nicht unbedingt durch seinen musikalischen Anspruch auszeichnete, jedoch aufgrund unserer eigens einstudierten Choreographie überzeugte.

Wie uns später von der Jury mitgeteilt wurde, war uns der Spaß am Musizieren deutlich anzusehen und trug anscheinend auch einen Teil zu unserem späteren Erfolg bei, von dem wir zu dieser Zeit immer noch nichts ahnten. Voller Adrenalin von unserem Auftritt sahen wir noch der letzten Bigband zu, bevor sich die Jury zur Entscheidung zurückzog. Jegliche Anspannung war von uns abgefallen, sodass wir den sonnigen Vormittag im Hof der Hochschule genießen konnten und uns auf die Workshops am Nachmittag und das abendliche Konzert der Siegerbigband freuten.

Um 12.30 Uhr war es soweit. Die Bekanntgabe der beiden besten Solisten und der Gewinner des Hauptpreises wurde recht provisorisch mit einem Lautsprecher im Foyer während des Mittagessens abgehalten. Während einige von uns nicht einmal anwesend waren, war der Rest von uns über den Raum verteilt. Wofür hätten wir uns auch versammeln sollen?

Die beiden Solisten wurden verkündet, um sich auf den Auftritt am Abend vorbereiten zu können. Dann wurde es still. Alle Bands lauschten gespannt, um ja nichts zu verpassen.

Was folgte, bleibt für uns unbeschreiblich. Wir wussten es zwar, mussten es uns aber immer wieder gegenseitig sagen, um es auch nur ansatzweise zu verstehen: Wir sind die beste Nachwuchsbigband Deutschlands.

Was uns dabei half, es etwas eher zu glauben, war die Tatsache, dass wir nach den nachmittäglichen Workshops unser Programm direkt am Abend im hr-Sendesaal - wo wir zwei Tage zuvor der hr-Bigband gelauscht hatten - noch einmal vor allen Bands und etwa 180 weiteren Zuschauern spielen durften. Zwar waren wir alle nach den zahlreichen langen Tagen und der harten Arbeit unglaublich fertig, doch konnten wir noch einmal unsere letzten Kräfte mobilisieren und eines unserer besten Konzerte des Jahres abliefern.

Hinter uns liegt ein erfolgreiches Wochenende, bei dem wir nicht nur einen unerwarteten Sieg davontragen, sondern auch Kontakte zu anderen jungen Jazzbands aus ganz Deutschland knüpfen konnten. Wir sind als Band noch mehr zusammen- und gleichzeitig über uns hinausgewachsen, was für uns alle ein großartiger Abschluss der gemeinsamen Zeit darstellte, da mehr als die Hälfte der Band dieses Jahr Abitur macht und dementsprechend aus der UBB austreten wird.

Text: Lina Mittelstädt, 4. Semester, und Johanna Gosten, Abiturjahrgang 2016 (Schuljahr 2017/18)

Inzwischen haben verschiedene Mitglieder der United Big Band mit dem Jazzorchester Friedrichshain-Kreuzberg unter der Leistung von Christian Fischer einen weiteren großartigen Erfolg erzielt, nämlich den zweiten Platz beim internationalen MeerJazz Festival in Hoofddorp, Niederlande. Auch dazu herzlichen Glückwunsch und ein Hinweis auf eine Pressemeldung des Orchesters!

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