Goethe Goes Swing

Bericht vom Konzert der Jazz-AG im Jazz-Club Schlot (15. Februar 2015)

Der Jazz-Club „Schlot" spiegelt mit seinen immer noch jungen 22 Jahren ein Stück Kulturgeschichte des Berlins der Nachwendejahre wider: 1993 ursprünglich in der Kastanienallee im wilden, szenigen Prenzlauer Berg der ganz frühen Wiedervereinigungsjahre gegründet, musste der Jazz-Club Ende des Jahrtausends dort die Segel streichen – Lärmschutz, Gaststättenkonzession und dergleichen Regulatorisches bedeuteten 1999 das Ende für den Hinterhofbetrieb. Normalerweise überlebt das ein Szene-Lokal nicht. Zumal sich (im April 2000) ein neues Domizil nur weit entfernt fand – mitten in einem Gewerbeviertel, in den neu hergestellten Edison-Höfen zwischen Invaliden-, Chaussee- und Schlegelstraße in Berlin-Mitte, von der Straße nicht sichtbar. Wo zudem über Jahre hinweg auf mehreren Seiten Baustellen und Straßensperrungen herrschten und der Zugang erschwert war. (Man witzelt, es gäbe Jazzliebhaber, die seit Jahren vergeblich versuchten, das "Schlot" zu finden.) Doch Inhaber John Kunkeler und sein Team hielten durch und schafften es allen Widrigkeiten zum Trotz, die Kunstfabrik Schlot als eine der ersten Adressen unter den Live-Bühnen des Jazz in unserer Stadt zu etablieren. Mit einem internationalen Programm, das renommierte ebenso wie noch unbekannte Künstler einbezieht. Auch regionale Musiker wurden durch die lange Jahre erfolgreiche Jam Session angezogen.

Doch mehr noch: Schon früh begannen Kunkeler und seine Mitstreiter, auch den jugendliche Nachwuchs in Sachen Jazz zu fördern. Schon vor dem Umzug gab es musikpädagogische Programme, die Big Band der FU und TU hatte bald nach Gründung hier einige ihrer ersten Gigs, und seit 2005 gibt es ein spezielles Jazz-Musikschulprogramm und Auftrittsmöglichkeiten für Schüler und Jugendliche. In diese Zeit reicht auch die Zusammenarbeit mit den Leitern unserer Jazz-AG zurück, die seither mit den Bigbands unserer Schule dort auftreten. Kunkeler erinnerte sich in seiner kurzen launigen Eröffnungsrede beim diesjährigen Konzert, die er diesmal angesichts des Jubiläums (10 Jahre Goethe-Bigbands im "Schlot") hielt, daran, dass so mancher Musiker aus den Schüler-Jazzbands unserer AGs später wieder dort mit professionellen Formationen auftrat.

Vor diesem Hintergrund stand das Konzert unserer Unterstufenband, JUNIOR JAZZ BAND, unter der Leitung von Stefan Kapitzke und unserer Mittelstufenband, C.O.M.B.O., unter der Leitung von Christian Fischer (assistiert von Konrad Schimmelpfennig, einem dieser erwähnten ehemaligen Schüler), am 15. Februar 2015 in einer zehnjährigen Tradition. (Die Oberstufenband, die United Big Band, gestaltet am 6. März 2015 ein eigenes Konzert.) Aber selbst ohne dies wären die Konzerte der Bigbands unserer Schule für die Schüler wie für die Zuhörer stets ein besonderes Ereignis: Zum einen sind von beiden Bands jeweils doppelt so viele Titel zu hören wie bei den JazzNights in unserer Schule. Zum anderen ist die Akustik im "Schlot" hervorragend und gerade für den Bigband-Sound viel geeigneter und prägnanter als der Klang in unserer Schulaula. Und nicht zuletzt ist es natürlich für die jungen Musiker etwas ganz Besonderes, in einem echten Jazz-Club zu spielen, auf der Bühne, auf der sonst auch die Großen des Fachs auftreten.

Insofern war die Vorfreude groß bei Fans, Familien und Freunden, das "Schlot" schon lange vor Konzertbeginn rappelvoll gefüllt. Beide Bands bestanden die Herausforderung bravourös, neue Mitglieder aufgenommen und ein seit der letzten Jazz-Night fast völlig neues Repertoire einstudiert zu haben. Die Probenfahrt der Jazz-Bands, auf der die neuen Nummern in Angriff genommen wurden, lag erst wenige Wochen zurück.

Logo des "Schlo...
Logo des Logo des
John Kunkeler h...
John Kunkeler hält die Jubiläumsrede John Kunkeler hält die Jubiläumsrede
Junior Jazz Ban...
Junior Jazz Band Junior Jazz Band
Junior Jazz Ban...
Junior Jazz Band mit Stefan Kapitzke Junior Jazz Band mit Stefan Kapitzke

Bei der JUNIOR JAZZ BAND, die mit dem "James Bond Thema" eröffnete und mit dem Bigband-Arrangement von Steppenwolfs "Born to Be Wild" nur ein Stück aus dem Altrepertoire darbot, wussten auch die Sechstklässler, die ihr erstes Konzert mitspielten, sehr zu überzeugen. Mit Titeln wie "Cleveland Rocks" und "Zoot Suit Riot", die den Bogen zwischen Rock im Bigband-Gewand und zeitgenössischem Bigband-Swing aufspannten, erhielten die Musiker viel Applaus vom begeisterten Publikum.

Junior Jazz Ban...
Junior Jazz Band macht Stimmung Junior Jazz Band macht Stimmung
Combo mit Chris...
Combo mit Christan Fischer Combo mit Christan Fischer
Combo mit Saxop...
Combo mit Saxophonen, Posaunen und Trompeten Combo mit Saxophonen, Posaunen und Trompeten
Combo mit Gitar...
Combo mit Gitarre und Saxophonen Combo mit Gitarre und Saxophonen

Die C.O.M.B.O. begann den zweiten Teil des Konzerts mit ihrem etablierten Opener, dem schmissigen "Groove Broker", um dann ein weitgehend neues Programm dazubieten, welches ein breites Spektrum abdeckte: Jazz (Juan Tizols "Perdido" aus dem Ellington-Repertoire), Latin ("Los Changos volando" und – besonders beeindruckend – Astor Piazollas "Libertango"), Rock (Earth, Wind & Fire's "September", aber auch Van Morrisons "Moondance") und zeitgenössische Bigband-Musik (Gordon Goodwins "A few good Men", an diesem Abend besonders gut gelungen). Auch wenn dieses Mal vielleicht der ganz große Ohrwurm im Repertoire fehlte, war die Zustimmung des Publikums riesig. Die Mittelstufen-Band zeigte insbesondere in vielen guten Soli, zu welch guten Musikern ihre Bandmitglieder inzwischen herangereift sind.

Insgesamt war die Atmosphäre beeindruckend; der gute Klang, die geeignete Ausleuchtung und die spürbar gute Stimmung bei Band und Publikum sorgten für einen abermals sehr gelungenen Abend. Man freut sich auf das nächste Jahr, wenn es wieder heißt "Goethe goes Swing!" – und man darf gespannt sein, was aus den an diesem Abend erfolgten Ton- und Bildaufzeichnungen produziert wird.

Was bleibt am Schluss festzuhalten?

Dank an unsere Jazz-AG-Leiter und ihre Helfer, verbunden mit der Hoffnung, dass sie sich möglichst lange noch in dieser Form engagieren und somit den Schülern des Goethe-Gymnasiums diese wunderbaren musikalischen Erfahrungen ermöglichen. Und es bleibt zu hoffen, dass Menschen wie John Kunkeler und sein "Schlot"-Team – echte Musikfreunde und Förderer des Nachwuchses und der Live-Musik-Kultur in unserer Stadt – auch weiterhin durchhalten und eine Bühne bieten können für handgemachte Musik jenseits des Konserven-Mainstreams. Man kann übrigens das Seine dazu beitragen – das "Schlot" ist immer einen Besuch wert, auch dann, wenn gerade keine Goethe-Band auf der Bühne steht.

Text: Herr Semler, Vorsitzender GEV (Schuljahr 2014/15)

Aktuelle Seite: Home Schulleben Jazzkooperative Goethe Goes Swing