Samstagsunterricht und Sonnenuntergang

Der Austausch mit dem Liceo Galileo in Florenz vom 27. Februar bis zum 04. März 2017

In einer kleinen Seitenstraße, welche direkt vom Dom abgeleitet wird, liegt das Liceo Galileo. An unserem ersten Tag wären wir beinahe daran vorbeigelaufen, da es von außen ein sehr unscheinbares, tristes Gebäude ist, welches nur durch ein kleines Schild neben dem Haupteingang als Gymnasium gekennzeichnet ist. Sobald man die Vorhalle betritt, bekommt man das Gefühl als stünde man in einem Museum. Das Büro der Direktorin gleicht dem Gemach einer Königin und im Lehrerzimmer hängen Lanzen an den Wänden. All das sind Überreste der alten Funktionen des Gebäudes als Kloster. Das Kommen und Gehen der Schüler wird stets genauestens von der Sekretärin beobachtet. Bei Verspätungen müssen noch bei der Ankunft schriftliche Begründungen abgegeben werden. Auch die Klassenzimmer und Korridore sind dem strengen Erziehungsstil der Schule angepasst. Kleine, kahle Räume, welche nur durch ein kleines Fenster beleuchtet werden, sind der Schulalltag der Schüler. Die Lehrer haben hohe Ansprüche an ihre Schüler: Neben wöchentlichem Samstagsunterricht müssen die Schüler auch bis in die späten Abendstunden arbeiten und den nächsten Schultag vorbereiten. Auch im Abitur wird viel von ihnen abverlangt. Bis zum Morgen der Prüfungen wissen sie nicht, in welchen Fächern sie geprüft werden, weshalb sie sich für jedes Fach vorbereiten müssen. Eine Ähnlichkeit zu unserer Schule ist der humanistische Schwerpunkt. Genau wie wir lernen sie Alt-Griechisch und Latein.

Wie bei jeder ordentlichen Reise haben auch wir beim Austausch eine Menge Sightseeing gehabt, welches zum Großteil aus Kirchenbesichtigungen bestand. Der Grund dafür ist sicher das zahlreiche Vorkommen sakraler Bauwerke in Florenz. Es gibt sie dabei in jeder erdenklichen Form, Größe, und Ausführung. Meist sind sie aber groß, prächtig und ... kalt. Jede Kirche hat ihre eigene Geschichte und wenn man genug Geduld aufbringt, den Guides aufmerksam zuzuhören, erfährt man einige Interessante Geschichten. So sieht die Basilica San Petronio von außen vielleicht nicht sehr ansehnlich aus, doch ging beim Bau der ehemals als größtes Gotteshaus geplanten Kirche das Geld aus. Es ist unvorstellbar, wie viel Geld in jede Kirche geflossen sein muss. Man sollte all den sakralen Prunk wirklich einmal mit eigenen Augen sehen.

An einem Tag sind wir nach Bologna gefahren. Bologna ist eine der schönsten Städte Italiens und liegt circa zwei Stunden mit dem Auto entfernt von Florenz. Besonders berühmt ist Bologna durch seine 38km langen Arkaden. Diese wurden früher gebaut, um obere Stockwerke auszubauen und so Wohnraum zu schaffen. Als wir in Bologna angekommen sind, sind wir erst einmal in ein Museum der modernen Kunst gegangen. Dies war, auch wenn es nicht jedermanns Geschmack war, sehr interessant. Zu Mittag gegessen haben wir in einem kleinen Park. Leider saßen wir dort recht lange, wodurch später relativ wenig Zeit zur freien Verfügung in der Stadt übrig blieb. Nach dem Mittagessen wurden wir von einem sehr netten Mann durch die berühmte Universität Bolognas, welche sich durch eine immense Ansammlung an Waffen und Büchern auszeichnet, und drei Kirchen geführt. Diese Führung ging zwar recht lange, war aber auch sehr interessant und lehrreich. Abschließend kann man sagen, dass Bologna eine sehr schöne Stadt mit sehr vielen eindrucksvollen Sehenswürdigkeiten ist und wir froh sind, auch diese Stadt besichtigt zu haben.

Neben unserem straffen Programm hatten wir auch Zeit, mit unseren Austauschschülern zusammen die Stadt zu erkunden. Der erste Abend diente als „Kennenlern-Abend“, an welchem wir uns alle in einem Park trafen. Häufig teilte sich unsere recht große Gruppe und es wurden unterschiedliche Restaurants und Pubs aufgesucht, um das abendliche Leben von Florenz zu erkunden. Dort konnte man häufig Live-Musik genießen. An einem Abend nahmen unsere Austauschschülerinnen uns mit auf den Piazzale Michelangelo, von welchem wir einen tollen Ausblick auf das abendliche Florenz hatten - mit einem atemberaubenden Sonnenuntergang. An anderen Abenden trafen wir uns, wenn das Tagesprogramm sehr anstrengend war, in kleineren Gruppen bei unseren Austauschschülern zu Hause. Das Highlight war vermutlich das Abschlussessen, bei welchem sich alle - inklusive der Lehrer - in einer netten Pizzeria trafen und den Abend mit gutem Essen und langen Gesprächen verbrachten, bevor es am nächsten Tag für uns wieder zurück nach Berlin ging.

Wie man es von einer Reise nach Italien erwartet, war der Austausch für alle von uns auch ein kulinarisches Erlebnis. Die meisten waren überwältigt von den Mengen an Essen, die die Florentiner ziemlich ungleichmäßig über den Tag verteilt verspeisten. Tagsüber sicherten ein Lunchpaket und Imbisse unser Überleben, abends wurde dann immer ordentlich aufgetischt, bis man vehementen Widerstand leisten musste, um nichts Neues auf den Teller zu bekommen. Generell kann man sagen, dass sich viele Stereotypen auf angenehme Weise bewahrheitet haben. An erster Stelle auf dem Speiseplan der Meisten standen typischerweise Nudeln bzw. „Pasta“, wie die Italiener sagen. Vielen kam das sehr gelegen. Das einzige - aber nicht außer Acht zu lassende - Problem, das das Essen betraf, war das nicht gesalzene Brot der Toskana. Überrascht hat mich, dass viele unserer Gastgeber genauso dachten. Alles in allem war unser Austausch auch aus der kulinarischen Perspektive betrachtet ein voller Erfolg.

Die Gastfreundschaft war für unsere italienischen Freunde von großer Bedeutung. Schon am Flughafen wurden wir trotz Verspätung mit offenen Armen empfangen. Da jeder von uns mit seiner Familie eigene Erfahrungen gewonnen hat, werden wir exemplarisch von zwei außergewöhnlichen Eindrücken erzählen. Zwei von uns waren in einem Landhaus und in einer Einrichtung der Carabinieri untergebracht. Die Austauschschüler nahmen uns bereitwillig in ihren eigenen Zimmern auf. So brach das Eis sehr schnell und wir freundeten uns rasch an. Das erste Mal trafen wir die gesamte Familie beim Abendessen. Es gab traditionelles italienisches Essen und alle saßen sich laut unterhaltend am Esstisch, wodurch es schnell familiär wurde und man sich sehr willkommen fühlte. Teilweise waren sogar die Großeltern mit dabei. Zu den Eltern entwickelte sich schnell ein „guter Draht“, da man sich auf Englisch und partiell auch auf Deutsch über viele - auch persönliche - Themen unterhalten konnte. Wir wurden die gesamte Woche von den Gasteltern mit Lunchpaketen verpflegt. Viele halten den Kontakt zu ihrer Austauschfamilie immer noch aufrecht, da sie sich dort so wohlgefühlt haben. Abschließend konnten wir feststellen, dass Gastfreundschaft nicht auf materiellen Dingen basiert, sondern auf der herzlichen Aufnahme ins Familienleben.

Text: Sanja und Sophie Bahr, Lina Mittelstädt, Moritz Littbarski, Moritz Schelten, Carlou Kayser, Noran Raskin und Nina Sassenroth; 2. Semester; Jonathan Hohls, Klasse 10 (Schuljahr 2016/17)

Der Gegenbesuch der italienischen Gruppe in Berlin fand vom 03. bis 08. April 2017 statt und spiegelt sich in der folgenden Bildergalerie wieder (Fotos: Sophia und Sanja Bahr, 2. Sem.):

Gruppenbild vor...
Gruppenbild vor dem GG Gruppenbild vor dem GG
Besichtigung de...
Besichtigung des Zwangsarbeiterlagers Schöneweide Besichtigung des Zwangsarbeiterlagers Schöneweide
East Side Galle...
East Side Gallery und Berliner Currywurst East Side Gallery und Berliner Currywurst
Vorbereitung de...
Vorbereitung der Präsentation Vorbereitung der Präsentation
Austauschschüle...
Austauschschülerinnen mit der Juten Joethetasche Austauschschülerinnen mit der Juten Joethetasche

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