"Stolpern" mit Kopf und Herz

Ein Gedenkspaziergang zu Stolpersteinen im Umkreis des Goethe-Gymnasiums

Vor 71 Jahren wurde das Vernichtungslager Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Anlässlich des Holocaustgedenktages am 27. Januar und um an die Schicksale vieler Jüdinnen und Juden zu erinnern, haben wir in diesem Jahr im Umkreis unserer Schule einen Gedenkspaziergang veranstaltet.

Wilmersdorf war vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 ein Bezirk mit einem blühenden jüdischen Leben. Ca. 14% der Bewohner Wilmersdorfs waren Juden, es gab Synagogen, jüdische Schulen und Sportplätze.

Heute erinnern uns zahlreiche Stolpersteine an einige der Juden, die in Wilmersdorf lebten. Auf unserer Tour machten wir Halt an ausgewählten Stolpersteinen und stellten die Geschichten der Personen dar, über deren Namen wir dort "stolpern". So erzählten wir unter Anderem:

  • die Geschichte von Max und Charlotte Auerbach, die ihren Sohn, Frank Auerbach, mit einem der Kindertransporte nach England schickten und ihm so das Leben retteten;
  • die Geschichte von Erich Stern, der nach der erzwungenen Scheidung von seiner Frau als sogenanntes "U-Boot" in Berlin untergetaucht war;
  • die Geschichte des schwedischen Pfarrers Birger Forell, welcher drei Juden im Dachgeschoss des Gemeindehauses der Viktoria Gemeinde in der Landhausstraße 26 versteckte und versorgte.

Stolperstein Er...
Stolperstein Erich Stern, Güntzelstr. 45 Stolperstein Erich Stern, Güntzelstr. 45
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Stolpersteine, Familie Auerbach, Güntzelstr. 49 Stolpersteine, Familie Auerbach, Güntzelstr. 49
Geste des Geden...
Geste des Gedenkens Geste des Gedenkens
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Schüler/innen lesen Stolpersteine Schüler/innen lesen Stolpersteine

Insgesamt dauerte der Spaziergang über die Gasteiner Straße zur Uhlandstraße weiter zur Güntzelstraße und durch die Landhausstraße etwa eine Stunde und fand fünf Mal mit acht verschiedenen Gruppen statt.

Zwei Schülerinnen einer sechsten Klasse haben sich aus der Führung folgende Informationen gemerkt:

Die Stolpersteine wurden von dem Künstler Gunter Demning im Jahr 1992 "erfunden". Die im Boden verlegten kleinen Gedenktafel soll an die Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, gefoltert, deportiert und ermordet wurden. Die Stolpersteine sind derzeit das größte Mahnmal der Welt. Mittlerweile gibt es in 20 Ländern Europas über 56000 Stolpersteine.

Die Stolpersteine sehen meist folgendermaßen aus: Sie sind fast würfelförmige Betonsteine, die ca. eine Höhe von 10 Zentimetern haben. In der Regel liegen sie vor dem letzten freiwillig gewählten Wohnort des Opfers. Auf ihrer Messingoberseite finden sich Angaben zum Vor- und Nachnahmen, Geburtsjahr, Datum der Deportation und / oder Ermordung.

Zu manchen der vielen Stolpersteine gibt es eine traurige oder schreckliche Geschichte, die einen sehr berühren kann. Es gibt aber auch viele Steine, bei denen das Schicksal der Opfer unbekannt ist.

Anm.  d. Red.: Ein herzliches Dankeschön an die drei Schülerinnen und Frau Detmers, die das Projekt vorbereitet und durchgeführt haben.

Text 1: Laura Werle, Luna Schlender, Heike Hoffmann (4. Sem.), Frau Detmers (Schuljahr 2015/16)
Text 2: Alaya Dedjbachsch, Clara Heidekrüger, Klasse 6a (Schuljahr 2015/16)
Fotos: Frau Dr. Weber (Schuljahr 2015/16)

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