Ein Abend mit Harald Martenstein

"Manchmal sagen Leute: Ach wissen Sie, ich würde auch gerne schreiben – kann man das lernen? Natürlich. Ich habe auf die folgende Weise schreiben gelernt …"

Mit diesen Worten beginnt Harald Martenstein am Dienstagabend in der Aula des Goethe-Gymnasiums vor 190 gebannten Zuschauern seine Lesung zum Thema "Das Berliner Gymnasium und der Kampf um Bildung".

Harald Martenstein, Kolumnist der "ZEIT" und des "Tagesspiegels", ist schon seit längerem mit dem Goethe-Gymnasium verbunden. Sein Sohn hat bei uns 2011 sein Abitur abgelegt. Im selben Jahr las Herr Martenstein in unserer Aula aus seinem Roman "Gefühlte Nähe". Eingeleitet durch das Jazz-Stück "All Blues" und eine kurze Einführung durch die Fachbereichsleiterin für das Fach Deutsch, Frau Kohlenberg, trug der Autor eine Auswahl seiner Texte über die Themen Schule und Bildung vor.

Mit seiner deutlichen und prägnanten Stimme las er aus seinen Kolumnen, die in humorvoll-sarkastischer Weise zahlreiche Unzulänglichkeiten des derzeitigen deutschen Schulsystems aufs Korn nahmen. Die Kritik reichte von der derzeitigen Kuschelpädagogik über absurde Situationen auf Elternabenden bis hin zu zweifelhaften neuen Lernmethoden und Bewertungen. Durch zugespitzte und treffende Formulierungen gestaltete er den Abend kurzweilig und unterhaltsam. Da die Kolumnen große Zustimmung und Heiterkeit im Publikum hervorriefen, hätte der Leseteil verglichen mit der nachfolgenden Diskussion etwas länger ausfallen können.

Das Podium war mit dem Schülervertreter Raphael Hellmann, dem Elternvertreter Jürgen Körte, der Schulleiterin Frau Rupprecht und stellvertretend für die Lehrerschaft, Herrn Lilienthal besetzt.

Herr Semler führte durch die Diskussion, indem er anregende Denkanstöße gab. Dabei kamen insbesondere die Problematik G8 und die damit verbundenen fehlenden Lehrplankürzungen, der drastische Leistungsabfall der Schüler und die ständig wechselnden Reformen im Berliner Schulsystem zur Sprache. Der Elternvertreter betonte die Bedeutung des Engagements der Eltern. Er hob hervor, wie wichtig eine stetige kritische Infragestellung derartiger häufig sinnloser Veränderungen sei.

Nachdem die Diskussion auch für das Publikum eröffnet wurde, war der Beitrag einer Universitätsprofessorin bemerkenswert: Sie bemerkte halb scherzhaft, doch durchaus mit ernstem Unterton, dass durch den Mangel an Sprach- und Allgemeinwissen bei Abiturienten an der Universität darüber gesprochen werde, ob nicht ein einführender Deutschkurs nötig sei, da heutzutage nicht einmal mehr Germanistikstudenten der deutschen Sprache mächtig seien. Allerdings merkten einige der Zuhörer an, dass dies bereits in ihrer Schulzeit ein alt bekanntes Thema gewesen sei.

Ein weiterer Kritikpunkt war einem anderen Beitrag zu Folge, dass man den Schülern Wirtschaft oder Jura näher bringen sollte, um sie besser auf das Leben nach der Schule vorzubereiten.

Leider fehlte es der Diskussion insgesamt ein wenig an Kontroverse, da die Diskutierenden fast in allen Punkten übereinstimmten.

Doch alles in allem war der Abend sehr gelungen, da sowohl die Diskussionsteilnehmer als auch die Zuhörer sehr interessiert waren und sich der Veranstaltung zukünftig sicherlich noch weitere Diskussionen anschließen werden.

Abschließend bedanken wir uns bei den Diskutanten und den Zuschauern sowie bei Herrn Semler, der alles organisiert und durch den Abend geführt hat. Darüber hinaus auch bei Frau Kohlenberg, ohne deren Beziehungen zu Herrn Martenstein der Abend nicht möglich gewesen wäre, des Weiteren bei den Helfern des Fördervereins, den Musikern, die den Abend musikalisch untermalten, und der Technik-AG unter der Leitung von Herrn Schröder, die für einen reibungslosen Ablauf sorgten.

Danken möchten wir auch den engagierten Eltern: Frau Pelzer, die für das Buffet gesorgt, und Herrn Valeriani und den Mitstreitern des Vereins der Freunde, die den Abend erst möglich gemacht haben. Natürlich gilt unser Dank auch den Schülern, die für Auf- und Abbau zuständig waren.

Text: Sarah Gosten, Vivien Krüger, Melina Schareck, LK Deutsch, 4. Sem. (Schuljahr 2014/15)

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