"Versuche, dein Leben zu machen!"

Eine Lesung von Margot Friedlander in der Klasse 9b am Goethe-Gymnasium

Am Montag, dem 17. November 2014 besuchte uns Margot Friedlander, eine Überlebende des Holocaust, im Deutschunterricht.

Margot Friedlander wurde am 5. November 1921 als Tochter jüdischer Eltern geboren. Mehrfach stellte die Familie während der NS-Zeit Ausreiseanträge, die jedoch stets abgelehnt wurden. Vor einer geplanten Flucht aus Deutschland wurde der vier Jahre jüngerer Bruder Ralph im Januar 1943 von der Gestapo verhaftet, und Margot Friedlander musste mit 21 Jahren die Entscheidung ihrer Mutter, diesem zu folgen, annehmen.

Nur der Satz "Versuche, dein Leben zu machen", eine Handtasche, ein Adressbüchlein und eine Bernsteinkette blieben ihr von ihrer Mutter erhalten. Da nach der Scheidung der Eltern (1942) der Kontakt zum Vater abgebrochen war, war sie nun völlig auf sich allein gestellt und musste untertauchen.

Über ihr Schicksal erzählt Frau Friedlander in ihrer Autobiographie "Versuche, dein Leben zu machen" (2008), welches sie uns an diesem besagten Montag vorstellte und aus dem sie eine ganze Stunde lang vorlas.

Es ist die Geschichte ihrer Familie zur Zeit der Judenverfolgung, der Entscheidung der Mutter, dem Bruder zu folgen, des Unterkommens Margots bei mutigen Helfern und auch die ihrer Verhaftung und Deportation nach Theresienstadt.

Es war eine schwere Zeit im Lager Theresienstadt. Die Menschen mussten dort sehr hart arbeiten und hatten jeden Tag um ihr Überleben zu kämpfen. Doch es gab auch kleine, glückliche Momente. So lernte Margot Friedlander in Theresienstadt ihren Mann kennen, den sie kurz nach der Befreiung Theresienstadts heiratete. Gemeinsam wanderten sie 1946 nach Amerika aus und blieben, bis er 1997 starb, zusammen.

Im Anschluss an die Lesung beantwortete Margot Friedländer ausführlich unsere Fragen. Sie erzählte uns von den Gefühlen, die sie im Lager bewegten, von Menschen, die sie nach dem Holocaust wieder traf und noch vieles mehr. Sie hatte sogar ihren Judenstern, das Adressbüchlein und die Bernsteinkette ihrer Mutter bei sich. Es war beeindruckend, wie lange sie diese Dinge aufbewahrt hat und vor allem, dass diese noch so gut erhalten sind.

Erinnerungsstüc...
Erinnerungsstücke Erinnerungsstücke
Der Judenstern
Der Judenstern Der Judenstern
Die Bernsteinke...
Die Bernsteinkette Die Bernsteinkette

Seit vier Jahren hält die Margot Friedlander mehrmals pro Woche Lesungen und besucht Schulen, um unserer Generation dabei zu helfen, besser zu verstehen, was zur NS-Zeit vor sich ging. Außerdem war es ihr sehr wichtig, dass wir uns darüber im Klaren sind, dass so etwas wie die Verfolgung und Ermordung der Juden – wie auch das unsinnige Sterben von Millionen unschuldiger Menschen im Krieg - nie wieder geschehen darf. Sie sagte, es läge an uns. Wir seien die Generation, die diese Geschehnisse weitergeben müsse. Zeitzeugen werde es bald keine mehr geben.

Die zwei Stunden waren sehr eindrucksvoll und stimmten alle sehr nachdenklich. Unsere Klasse war zeitweise so ergriffen, dass wir sprachlos waren.

Zuhörer/innen d...
Zuhörer/innen der Klasse 9b Zuhörer/innen der Klasse 9b
Margot Friedlan...
Margot Friedlander Margot Friedlander
Margot Friedlan...
Margot Friedlander liest in der 9b Margot Friedlander liest in der 9b

Wir danken Frau Friedlander für dieses Gespräch und die Einblicke in diese für viele Menschen so grausame Zeit des Hitler-Regimes. Für unsere Klasse war es etwas ganz Besonderes, von einer Zeitzeugin über jüdische Schicksale zu hören.

Text: Sanja Bahr und Nina Sassenroth, Klasse 9b (Schuljahr 2014/15)
Fotos: Sophie Bahr, M. Pelzer (Schuljahr 2014/15)

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