Berliner Morgenpost, 23. Februar 2015

In der Rubrik "Schüler und Zeitung" der Berliner Morgenpost vom 23. Februar 2015 berichtet Nina Sassenroth (9b) in ihrem Artikel "Flüchtlingskindern spielend helfen" von der SV-Sammelaktion zur Flüchtlingshilfe:

Einige Schüler des Goethe-Gymnasiums starteten eine große Sammelaktion. Die Resonanz fiel überwältigend aus

Heike Hoffmann kramt in alten Kisten und Schränken, bittet Freunde und Familie um Unterstützung. Endlich hält sie zufrieden zwei Kinderbücher und ein altes 'Mensch ärgere dich nicht'-Spiel in der Hand. Doch sie ist nicht die einzige, die nach Spielzeug sucht. Schüler und Lehrer des Goethe-Gymnasiums haben in den vergangenen Wochen alle zu Hause Schränke durchstöbert. Ziel der gemeinsamen Aktion: den Flüchtlingskindern im AWO-Refugium am Kaiserdamm zu helfen.

Zwei Wochen lang dauerte die Spielzeug-Sammelaktion. Das Ergebnis fand nicht nur das Schulsprecherteam, zu dem auch Heike Hoffmann gehört, überwältigend. "Es wurden insgesamt 880 Teile gesammelt, auch große Sachen wie zum Beispiel ein Fahrrad! Besonders häufig waren Brettspiele, Bücher und Kuscheltiere", sagt Heike auf unsere Frage. "Das einzige, was wir nicht im Flüchtlingsheim abgegeben haben, war eine Strandliege. Die konnten sie dort nicht gebrauchen."

Die Idee zur Aktion entstand auch als Folge eines Praktikums, das Heike Hoffmann im Sommer in der Erstaufnahme für Flüchtlinge gemacht hatte. "Mir ist dort der Mangel an Spielsachen aufgefallen, und dann haben wir Schülersprecher zusammen die Idee für die Sammelaktion entwickelt. Die Organisation ging einfach und schnell. Um die Aktion bekannt zu geben, sind wir durch die Klassen gegangen, haben kleine Plakate aufgehängt und das Ganze bei der Schülerversammlung bekannt gegeben." Schneller und in einem viel größeren Ausmaß als gedacht sammelten sich die Spielzeuge im Oberstufenraum an. Es dauerte nicht lange, da mussten die Spenden wegen Platzmangel übereinander gestapelt werden. Ebenfalls überraschend war die Begeisterung der Eltern und Lehrer. Viele wollten sogar mehr spenden, nicht nur Spielsachen.

Die Initiative des Wilmersdorfer Schulsprecherteams kam sowohl bei Lehrern wie Schülern gut an. "Auch ich fand die Idee der Schülersprecher fantastisch. Mich hat dann aber vor allem der Eifer, anderen helfen zu wollen, sehr beeindruckt. Natürlich sind auch die gesammelten Sachen wichtig, doch es geht in meinen Augen viel mehr um die Geste als um das Materielle. Dass wir – also Schüler, Lehrer und Eltern – den Flüchtlingen zeigen, dass sie bei uns willkommen sind", sagt Simone Koos, die Lehrerin für Geographie und Mathematik ist. Auch die Schulleiterin des Goethe-Gymnasiums, Gabriele Rupprecht, ist begeistert. Sie erzählt, dass sie von der Menge an Spielsachen überwältigt gewesen ist, aber auch von der Organisation, die die Schülersprecher Jassin, Laura, Lina, Elif, Defne, Mirjam, Heike und Gabriella zusammen übernommen hatten.

Um die Aktion anzukurbeln, gab es noch einen zusätzlichen Anreiz, sodass am Ende nicht nur die Flüchtlingskinder profitierten: Die Klasse, die am meisten gespendet hatte, bekam einen zusätzlichen Wandertag. In diesem Fall war die 6b der Gewinner.

Die Auslieferung der Spielsachen war nicht ganz so leicht. Es brauchte zwei Eltern, die ihre Autos zur Verfügung stellten und beim Ausladen halfen und noch einige junge und kräftige Männer. Doch Laura Werle, ebenfalls Mitglied des Schulsprecherteams, beschreibt auf der Schul-Homepage, warum der Einsatz von allen Seiten sich gelohnt hat. Sie erzählt von einem kleinen Mädchen und ihrer Reaktion auf die Spenden: "Das Leuchten in ihren Augen, als Heike ihr einen neuen Korb Duplo-Steine, die einer unserer Schüler gespendet hat, auf den Tisch stellte, war den Aufwand wert."

So wie das Goethe-Gymnasium helfen in diesen Wochen, in denen weiter viele Flüchtlinge nach Berlin kommen, auch andere Schulen auf großzügige Weise. So etwa hat die Grundschule am Schäfersee für Flüchtlinge gesammelt. Wer nun ebenfalls den Wunsch hat, Flüchtlingskindern mit Spendenaktionen zu helfen, kann ähnliche Aufrufe starten. Oder aber einer der vielen Organisationen Geld spenden, die sich in Berlin um Flüchtlinge kümmern. Auf der Internet-Seite der Arbeiterwohlfahrt Berlin-Mitte (AWO) kann man auf den Button "Ihre Spende hilft!" klicken und wird dann zu einem Spendenkonto geführt. Dort können sich Spendenwillige eine der Flüchtlingseinrichtungen aussuchen und über die Nutzung ihres Geldes entscheiden.

Viele andere Organisationen sind ebenfalls im Bereich der Flüchtlingshilfe tätig, zum Beispiel der Wohlfahrtsverband Caritas. Hier gibt es auch für Jugendliche Einsatzmöglichkeiten. Sie können Nachhilfe geben, gemeinsam mit Flüchtlingen essen oder ihnen den Kiez zeigen. "youngcaritas" heißt die Plattform für soziales Engagement junger Menschen.

In Berlin gibt es eine große Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge, berichten die Mitarbeiter des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin. Und Katja Eichhorn vom Fachreferat Ehrenamt weiß, dass persönliches Kümmern den entscheidenden Unterschied macht: "Wichtig ist es, Zeit mit den Flüchtlingen zu verbringen, um ihnen zu zeigen, dass sie willkommen sind." Mehr Infos über ehrenamtliche Arbeit gibt es unter: "www.youngcaritas.de".

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