Wir simulieren Weltpolitik

Ein Bericht von der POL&IS-Fahrt 2015

Vom 30. November bis zum 02. Dezember 2015 fuhren zwei Grundkurse Politikwissenschaften nach Seddin. Ziel der Kursfahrt war die Absolvierung des interaktiven Planspiels "POL&IS". Die Abkürzung steht für "Politik & Internationale Sicherheit".

Vorbereitung und Spielregeln

Drei Tage vor der Abreise war der Leiter des Programms zu Gast bei uns im Unterricht und erläuterte Ziele, Regeln und Rollenverteilung der Simulation. "POL&IS" ist ein Modell, das die UN und internationale Beziehungen widerspiegeln soll. Die Teilnehmer müssen bei der Simulation Entscheidungen treffen, die den Verlauf der Weltpolitik bestimmen. Ziel ist es, dass die Teilnehmer erkennen, wie politische Entscheidungen entstehen und wie wichtig es dabei ist, das Weltgeschehen im Blick zu haben, um Risiken und Nebenwirkungen des eigenen Handelns abzuschätzen und für mögliche Konflikte Lösungen zu entwickeln. Da außerdem jeder Teilnehmer im Verlauf des Planspiels eine oder mehrere Reden halten muss, werden auch rhetorische Fähigkeiten gefördert. Die Simulation kann mehrere sogenannte "Polis-Jahre" umfassen, die in unterschiedliche Phasen eingeteilt sind.

Nach der Übersicht über den Spielablauf wurden in den Kursen die Rollen verteilt. Folgende Rollen waren dabei zu besetzen:

  • UN-Generalsekretär, dessen Aufgabe es ist, die Generalversammlung der UN zu leiten und bei gravierenden Problemen den Sicherheitsrat einzuberufen. Ferner muss er politische Programme, die in einzelnen Regionen entwickelt werden, auf ihre Angemessenheit prüfen und die Staatsministerkonferenz leiten.
  • Jeweils ein Regierungschef, ein Staatsminister und ein Wirtschaftsminister für die Regionen Nordamerika, Südamerika, Russland, Europa, Indien, Arabien, China, Japan und Afrika. Die Aufgabe besteht darin, ihre Region so zu regieren und verwalten, wie sie es für richtig und vorteilhaft halten. Jede Region verfügt dabei über ein Startkapital.
  • Eine NGO, die Amnesty International und Greenpeace zusammenfasst. Ihre Aufgabe ist es, auf Umweltprobleme und Menschenrechtsverletzungen in den Regionen zu achten und Kritik zu formulieren. Zugleich kann sie eigene Ideen zur Verbesserung der Situation entwickeln.
  • Weltbank. Sie kann Kredite vergeben und das Finanzsystem der "Polis-Welt" verwalten.
  • Weltpresse. Aufgabe ihres Vertreters ist es, die "Polis-Welt" mit politischen Informationen zu versorgen und das Verhalten und die Entscheidungen der Regionen zu kommentieren.

Durchführung

Die Simulation fand in der Heimvolkshochschule Seddin in einem Konferenzsaal statt. Jede Region und Institution hatte dort einen eigenen Tisch als Arbeitsplatz, die Tische bildeten einen Halbkreis. Am Kopf des Raumes saßen die Spielleiter und der Generalsekretär, neben ihnen stand ein Rednerpult, das für alle Versammlungen genutzt wurde.

Nach einer erneuten Einführung begann das Planspiel mit der Generalversammlung der UN, bei der sich die Regionen und Institutionen mit Hilfe eines Flipcharts vorstellten. Anschließend lieferte eine "Polis-Tagesschau" Informationen zur jeweiligen aktuellen politischen Lage der Regionen. Auf dieser Grundlage fanden sich die Staatsminister zusammen und teilten einander ihre innen- und außenpolitischen Vorhaben mit, beschlossen Auf- oder Abrüstung, stationierten bei Bedarf Truppen, entsandten Diplomaten und Entwicklungshelfer. Nach diesen Konferenzen hatten die Regierungen der Regionen Zeit, über das weitere Vorgehen zu beraten. Durch Würfelwurf wurde ermittelt, ob ein militärischer Einsatz erfolgreich war oder nicht.

Zentraler Aspekt der ersten beiden Tage war der Kampf gegen den in der Region Arabien operierenden IS. Es war klar, dass Diplomatie nicht helfen würde, sondern nur ein Militäreinsatz. Nicht alle Regionen waren zu militärischem Beistand bereit. Der Angriff gegen die Terroristen scheiterte an schlechter Planung. Das Problem musste auf den nächsten Tag, das heißt das nächste "Polis-Jahr" vertagt werden.

Im zweiten Anlauf schafften es die verbündeten Regionen dann, dem IS eine Niederlage zuzufügen, da sie jedoch das Gebiet um die Stadt Raqqa bombardierten, kamen auch viele Zivilisten ums Leben.

Der IS agierte jedoch nicht nur in Arabien, sondern er verübte auch Terroranschläge in westlichen Regionen, wie zum Beispiel in Nordamerika. Das zweite "Polis-Jahr" war nicht nur vom IS geprägt. So hatte Nordamerika auch regionale Probleme zu bekämpfen, besonders erwähnenswert ist hierbei die Krankheit "Adipositas", die sich sowohl negativ auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirkte als auch die Regierung viel Geld kostete, um das Gesundheitssystem zu verbessern. Die Sicherheit in der Polis-Welt blieb jedoch das beherrschende Thema, da sie sich zusehends verschlechterte, besonders die Entführung des europäischen Finanzministers verschärfte die Sicherheitslage.

Resümee und Kommentar

Insgesamt hat uns die Simulation gut gefallen. Sie war sehr gut organisiert, die Abläufe erschienen uns sehr realitätsnah, man konnte sich gut vorstellen, mit welchem Druck und welchen Problemen die politischen Akteure nicht nur in Krisensituationen wie der Auseinandersetzung mit dem IS zu kämpfen haben. Man hat gesehen, wie viele Kompromisse man eingehen muss und wie schwer es ist, die letztendlich richtige Entscheidung zu treffen.

Leider jedoch war die Zeit ein bisschen knapp. Außerdem hätten es unserer Ansicht nach für manche Rollen im Planspiel, vor allem für die Weltpresse, mehr Vorgaben und mehr Vorbereitungszeit geben müssen, damit man sich besser in die Simulation hätte einbringen können.

Text: Ben Körte und Basil Bruhn; GK Politikwissenschaften, 1. Semester (Schuljahr 2015/16)

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