Zum Tod von Richard von Weizsäcker I

Bismarck-GymnasiumDas Goethe-Gymnasium gedenkt mit Nachdenklichkeit des Todes unseres früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker am 31. Januar 2015, der sein Abitur 1937 am Bismarck-Gymnasium, der Vorgänger-Schule des Goethe-Gymnasiums, ablegte.

Seine Epoche machende Rede am 8. Mai 1985 anlässlich des 40. Jahrestages der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft am 8. Mai 1945 vor dem Deutschen Bundestag schloss der Bundespräsident mit den Worten:

"Die Bitte an die jungen Menschen lautet:
Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass
gegen andere Menschen,
gegen Russen oder Amerikaner,
gegen Juden oder gegen Türken,
gegen Alternative oder gegen Konservative,
gegen Schwarz oder gegen Weiß.
Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.
Lassen Sie auch uns als demokratisch gewählte Politiker dies immer wieder beherzigen und ein Beispiel geben.
Ehren wir die Freiheit.
Arbeiten wir für den Frieden.
Halten wir uns an das Recht.
Dienen wir unseren inneren Maßstäben der Gerechtigkeit.
Schauen wir am heutigen 8. Mai, so gut wir es können, der Wahrheit ins Auge."1

Diese Worte sind uns als Schule Auftrag.

Text der GedenktafelUnd so fügt es sich, dass wir am 24. April 2015 nach langjährigen Bemühungen eine Gedenktafel enthüllen zum Gedenken an einen siebzehnjährigen Jungen, der in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges an der Ecke Uhlandstraße / Berliner Straße von SS-Mitgliedern an einer Straßenlaterne erhängt wurde. Eine Patrouille der SS, die die Häuser nach versteckten Soldaten durchkämmte, fand den Jungen in einem Keller in der Fechnerstraße und beschuldigte ihn, zu feige zu sein, "um für Deutschland zu kämpfen." Der Name des Jungen und alle weiteren Umstände seines Lebens und seines Todes sind weitgehend unbekannt.

Noch mehrere Jahre nach dem Krieg legten die Anwohner der Uhlandstraße Blumen an der Stelle nieder, an der die SS diese sinnlose und grausame Tat beging, und gedachten des Jungen mit einer improvisierten Papp-Tafel.

Seit etwa zwei Jahren hat sich Herr Michael Roeder intensiv darum bemüht, dass auch der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf den Jungen mit einer offiziellen Gedenktafel ehrt und im November des vergangenen Jahres hat die Gedenktafel-Kommission des Bezirks dem Antrag zugestimmt.
Auf der Feier zur Einweihung der Gedenktafel am 24. April 2015 im Beisein des Bezirksbürgermeisters wird auch eine Schülerin unserer Schule für das Goethe-Gymnasium sprechen.

Die Unglaublichkeit der sinnlosen und barbarischen Tat, der mit dieser Tafel gedacht werden soll, gibt den Worten Richard von Weizsäckers in seiner Rede einen greifbaren Sinn: "Der 8. Mai [1945] war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft."2

Das Goethe-Gymnasium ist stolz, in der Nachfolge derjenigen Schule zu stehen, die Richard von Weizsäcker zu ihren Absolventen zählen darf, und wir werden das Vermächtnis dieses großen Staatsmannes in unserer Arbeit mit unseren Schülerinnen und Schülern in einer Weise bewahren, wie wir es auch im Leitbild unserer Schule niedergelegt haben.

1,2 http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Richard-von-Weizsaecker/Reden/1985/05/19850508_Rede.html;jsessionid=0570097B5F79B716BC2ADD499E63C451.2_cid379

Text: Herr Hahn (Schuljahr 2014/15)

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