Nach dem Abitur in Frankreich

Der Wert von Französisch als vierte Fremdsprache

Nach seinem Abitur 2016 am Goethe-Gymnasium bewarb sich Luis Sattelmayer um eine Stelle als Volontaire für ein Soziales Jahr bei dem französischen Projekt ARCHE, welches Bewerbungen nicht-französischer Volontaires begrüßt. Im Projekt ARCHE arbeiten und leben die Volontaires dann mit geistig behinderten Menschen zusammen.

Luis lebt seit September 2016 in Boulogne-sur-mer. Ihm gefällt es gut, und er schreibt uns in seinem Bericht, wie es ihm sprachlich mit Französisch als 4. Fremdsprache bisher ergangen ist:

Zur Zeit arbeite ich seit sieben Monaten in Frankreich. Letztes Jahr habe ich mein Abitur am Goethe-Gymnasium in Berlin gemacht.

Als ich in der zehnten Klasse war, war es logisch für mich, Französisch in der Schule zu wählen, da ich schon in den Jahren davor Latein und Griechisch gelernt habe (und zwar seit fünf bzw. zwei Jahren, so dass genügend Substanz vorhanden war, um eine weitere Sprache aufzunehmen) und diese Sprachen auch die Grundlagen für alle romanischen Sprachen darstellen. Ich wurde nicht enttäuscht.

Trotzdem hatte ich meine Zweifel, als ich mich bei der Arche in Frankreich bewarb: Kenne ich genügend Wörter, um mit jemand sprechen zu können? Werde ich verstehen, was sie mir erzählen? Reichen nur drei Jahre Französisch am Anfang überhaupt?

Natürlich war es, wie man sich vorstellen kann, anfangs auf keinen Fall einfach. Französisch ist eine relativ schnell gesprochene Sprache mit vielen Auslassungen. Aber ich stellte schnell fest, dass es keine großen Unterschiede zu denen gab, die Französisch drei oder sechs Jahre lang erlernt hatten. Eher im Gegenteil: Nach ein oder zwei Monaten waren unsere Sprachniveaus dieselben und nach vier bis fünf Monaten konnte ich mich gut genug ausdrücken, um Erlebnisberichte in Schulen vor ausschließlich französischsprachigen Schülern zu halten.

Während dieser Zeit habe ich auch stark von meinen Kenntnissen des Lateinischen und Griechischen profitiert. Durch die langjährige Auseinandersetzung mit diesen Sprachen kannte ich schon einen goßen Teil der Wörter selbst, die niemals im Unterricht während meiner drei Jahre in der Schule aufgetaucht waren.
Einmal zum Beispiel, erklärte mir jemand, er sei agoraphobe (Platzangst). Ich kannte das griechische Wort ἀγορά (Marktplatz) und konnte es mir somit herleiten, ohne mein Handy fragen zu müssen, was es bedeutete. Ein anderes Mal musste ich jemandem das Wort anthropophage (Kannibale) erklären, ohne es wirklich zu kennen. Ohne mein Griechisch aus der Schule hätte ich dann nicht wissen können, dass ἄνθρωπος der Mensch ist und φάγος der Hunger.

Aber abseits der Vokabeln haben es mir diese beiden Sprachen auch ermöglicht, die im Französischen verwendeten Strukturen besser zu verstehen. Das Verstehen einer Sprache und die Arbeiten, um diese zu erlernen, waren so gut geübt, dass ich schnell die komplexeren Vorgänge im Französischen verstand

Nachdem ich dann eine gewisse Zeit in Frankreich gelebt hatte, wurde die französische Literatur, die wir zu Teilen schon in der Schule besprochen hatten, eine große Hilfe, um nicht nur vokabeltechnisch fortzuschreiten, sondern auch um die kleinen sprachlichen Feinheiten zu erlernen, die jede Sprache besitzt. Selbst dabei ermöglichte mir das langjährige Arbeiten mit den "toten" Sprachen, meine Sprachkompetenzen schnell zu verbessern, da hier die Diskussionen einzelner Wörter essentiell sein können und die sprachliche Genauigkeit einen großen Teil der Übersetzungen ausmachen.

Letzten Endes kann ich sagen, dass es eine gute Entscheidung war, Französisch zu wählen. Mit den Grundlagen des Lateinischen und des Griechischen ist eine "lebende" Sprache der nächste logische Schritt. Während der Zeit des Lernens haben mir immer die Techniken, Vokabeln und Gewohnheiten der zwei alten Sprachen und das Arbeiten mit ihnen dabei geholfen, mich schneller zu verbessern, als ich mir ursprünglich gedacht hatte, bevor ich hier ankam.

Daher kann ich sagen, dass meine drei Jahre Französisch, kombiniert mit meinen Kenntnissen des Lateinischen und Griechischen, auf jeden Fall mehr als ausreichend waren, um mir die Türen in eine neue Kultur öffnen zu können.

Lesen Sie bitte auch den franzöischen Originaltext:

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