Exkursion zur Brecht-Weigel-Gedenkstätte

KlingelschildBertolt Brecht lebte von Oktober 1953 bis zu seinem Tod († 1956) in einer zentral gelegenen Mietwohnung im 1. Stock der Chausseestraße 125 in Berlin-Mitte, die günstige Bedingungen zum Arbeiten und Wohnen bot. Seine Ehefrau, Helene Weigel, angesehene Schauspielerin und Intendantin des Berliner Ensembles, bezog im November desselben Jahres eine Wohnung im 2. Stock des Hauses. Von Ende 1956 bis zu ihrem Tod († 1971) lebte sie im Parterre des Hauses.

Mit der Rückkehr nach Berlin endete ein 15-jähriges Exil für Brecht und Weigel. Da sie beide in dieser Zeit ihren Beruf kaum ausüben konnten, war dies eine Art Neuanfang für sie, welcher Brecht ermöglichte, die Theorie des epischen Theaters und die im Exil entstandenen Stücke auf der Bühne zu verwirklichen.

Nach Brechts Tod (†1956) gründete Helene Weigel das Bertolt-Brecht-Archiv. Um all seine Werke zu erhalten, wurden sie aufwendig – mit den damals verfügbaren Mitteln - nämlich mit speziellen Mikrofilmen abgefilmt und somit archiviert. Ferner wurde alles weitestgehend, bis auf den Fußboden, der vorher dunkler war, so belassen.

Bertolt Brecht und Helene Weigel wurden auf dem benachbarten Dorotheenstädtischen Friedhof begraben und seit 1978 sind ihre Wohnungen auch der Öffentlichkeit zugänglich.

LK Deutsch 2013Wir begannen mit der Besichtigung der ersten Etage, in der Brecht lebte. In seinem Wohnzimmer standen sehr viele Bücherregale und eine Büste von ihm, die allerdings, wie uns erzählt wurde, zwar schon zu Lebzeiten existierte, aber erst nach seinem Tod von seiner Frau für jeden sichtbar aufgestellt worden war. Auffällig waren auch drei chinesische Masken, die an seiner Wand hingen. Da Brecht immer bedächtig darauf geachtet hatte, ein "cooles" Image zu haben und oft absichtlich in eine zornig oder böse wirkende Mimik verfiel (besonders auf Fotos, auf denen er beispielsweise mit zwei Totenköpfen unter dem Arm posierte), sollte die eine Maske, genau diesen angespannten Gesichtsausdruck auf übertriebene Art und Weise demonstrieren, und auf eine witzige Art alle Vorbeigehenden daran erinnern, dass es auch sehr anstrengend sein kann, so zu schauen. Allerdings war diese Art nur in der Öffentlichkeit für ihn von großer Wichtigkeit; jeder, der ihn etwas näher gekannt hatte, war sogleich von seiner witzigen Art begeistert. Allerdings schien die Zeit für seine Gesprächspartner, die er größtenteils in seiner Wohnung empfing, aufgrund seiner vielen unterschiedlichen Tätigkeiten, immer nur sehr begrenzt gewesen zu sein.

Anschließend betraten wir Brechts Arbeitszimmer. Da Brecht zeitig aufzustehen pflegte, um in den frühen Morgenstunden bis zum Beginn der Theaterproben schreiben zu können, war dieser große und meist lichtdurchflutete Raum einer der wichtigsten für ihn. Hier entstanden zahlreiche Texte für die Arbeit im "Berliner Ensemble", aber auch Gedichte, Prosastücke, Stellungnahmen und Aufsätze zu kunsthistorischen und politischen Themen. Für größere Arbeiten zog sich Brecht in das Haus am Schermützelsee in Buckow zurück. In seinem Arbeitszimmer befanden sich sieben Tische in verschiedenen Formen und Größen, die Brecht unterschiedliche Perspektiven und Blickwinkel boten, und ihm so das Schreiben erleichterten. Der nächste Raum, sein Schlafzimmer, befand sich gleich nebenan. Dort, in diesem sehr kleinen und karg eingerichteten Raum, stand sein Bett. Sein Stock und Hut hingen noch an der Wand. Hier starb er auch mit nur 58 Jahren an einer Herzmuskelentzündung.

Die untere Etage besteht aus einem Wintergarten, Helene Weigels Schlafzimmer (mit Zugang zur Terrasse), und der Küche. In ihrem Schlafzimmer stand ein großes Bett, in dem sie, wie uns erzählt wurde, am liebsten gearbeitet hat. Gegenüber befand sich eine kleine Küche, in der sie für ihr Leben gern Marmelade und Gulasch gekocht hat. Ihre Rezepte werden noch heute sehr geschätzt. Helene Weigel war, auch wenn es auf den meisten Fotos nicht immer so aussah, eine sehr freundliche, nette und offenherzige Person, die die Namen aller ihrer Schauspieler kannte und sich für jeden einzelnen einsetzte.

Wir schlossen unseren einstündigen Besuch mit der Besichtigung des Dorotheenstädtischen Friedhofs ab. Dort besuchten wir die Gräber Brechts, Weigels und anderer Persönlichkeiten.

Grabsteine

Text und Fotos: Vivien Krüger, LK Deutsch (Schuljahr 2013/14)

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