Ausbruch aus dem Trott

Der Text "Ausbruch aus dem Trott" ist das gelungene Ergebnis einer Klausur im Grundkurs Deutsch des 3. Semesters zum Thema Romantik. Die Aufgabenstellung lautete, einen Einleitungstext für den Katalog einer in der Berliner Gemäldegalerie laufenden Ausstellung mit dem Titel "Romantik und Moderne" zu verfassen.

Einleitungsartikel für den Ausstellungskatalog "Romantik und Moderne"

Wer von Ihnen hat nicht auch schon einmal davon geträumt, einfach aus dem immergleichen Alltag auszubrechen? Einfach die Arbeit stehen und liegen zu lassen und nach draußen zu gehen und die Welt in ihrer vollen Pracht zu entdecken, ohne Sorgen und Nöte, ob man zum Beispiel noch die Arbeit schafft oder nicht. Genau diesen Wunsch, aus dem Alltag auszubrechen, vertraten auch die Romantiker. Deswegen werde ich Sie im Folgenden über die Romantik informieren, also was die Romantik ist und wodurch sie sich auszeichnet. Abschließend werden Sie erfahren, wieso die Romantik auch fast 200 Jahre nach ihrem Ende von Bedeutung ist und somit eine Allgemeingültigkeit wie kaum eine andere Epoche besitzt.

Was ist die Romantik?

Die Romantik war eine literarische Strömung, die von 1795 bis 1840 andauerte und sich in die Jenaer Frühromantik, die Hochromantik und die Spätromantik einteilen lässt. Der Begriff „Romantik“ stammt vom französischen Begriff „roman“ und bedeutet volkssprachliche Epik. Von den Klassikern als abwertend benutzt, identifizierten die Romantiker einige Zeit später den Begriff „Romantik“ mit dem Poetischen. Wichtige Vertreter waren Novalis, die Gebrüder Grimm, Clemens Brentano und Joseph von Eichendorff. Soweit die Fakten und die Entwicklung der Epoche.

Doch was macht die Romantik so besonders?

Um die Romantiker zu verstehen, ist es zunächst wichtig, die Zeitumstände zu erläutern. Die Industrialisierung begann, die Wissenschaft schritt in ihren Erkenntnissen fort, das Mystische verlor an Bedeutung. Die Gesellschaft war nur noch auf Fortschritt und Nützlichkeit ausgerichtet. Diese Umstände machten den Romantikern ziemlich zu schaffen. Aus diesen Entwicklungen heraus entstand auch ein prägender Konflikt dieser Zeit, nämlich zwischen den Künstlern, den Romantikern, und dem sogenannten Philistertum, dem "Spießertum".
Die Romantiker kritisierten, dass die Philister nur dem Nützlichkeitsgedanken entsprechend lebten, alles streng nach Konventionen. Novalis formuliert in seinen "Fragmenten über die Poesie" treffend, dass die Philister nur Alltagsleben lebten und selbst ihre Vergnügungen konventionell, gewöhnlich und modisch sein müssten und dabei mühsam und förmlich seien, wie ihre ganze Lebensweise. Die Romantiker sehnten sich also nach dem Ausbruch aus dem Alltag, weswegen auch die Wanderschaft ein wichtiges Motiv war. Durch Wandern konnten sie dem Alltag entfliehen und auch die Natur genießen, der sie huldigten.
Die Romantiker wollten zudem, dass die Natur ihr wahres Gesicht zeigt. Jedoch gehe dies nicht von allein, wie der Philosoph Rüdiger Safranski in einem Interview anmerkt. Vielmehr müsse man selbst durch Phantasie das wahre Gesicht der Wirklichkeit hervorrufen. Laut Safranski verstand man unter Phantasie das in uns allen schlummernde schöpferische Genie, das es freizulegen galt. Außerdem spielte die Nacht eine wichtige Rolle, sie wurde nämlich als Tor zum Jenseits und als Gegenpart zum geschäftigen, auf Nützlichkeit ausgerichteten Tag angesehen. Somit galt auch die Nacht als Ausbruchsmöglichkeit aus dem Alltag.
Den Tod hielten die Romantiker nicht für etwas Schlechtes, sondern für eine Erlösung, da man nach dem Tod nicht mehr die banale und entpoetisierte Gesellschaft wahr-nehmen musste. Da nun aber die Romantiker in dieser Zeit lebten, mussten sie zwecks Existenzsicherung arbeiten. Am Tag gingen sie daher einer beruflichen Tätigkeit nach und in der Nacht ließen sie ihrem dichterischen Verlangen freien Lauf. Diese Lebensweise nennt man Zwei-Welten-Modell und sie war in der Romantik von Bedeutung.
In ihren Werken orientierten sich die Romantiker am Mittelalter. Das deutsche Mittelalter galt als Vorbild, weil dort ihrer Meinung nach Reales und Irreales nicht voneinander getrennt wurde und deutsche Volkspoesie weit verbreitet war.
Jedoch gab es auch Gegner der Romantik, wie den bekannten deutschen Dichter Johann Wolfgang von Goethe, der die Romantik im Gespräch mit seinem Sekretär Johann Peter Eckermann als schwächlich und krank bezeichnet. Als Vertreter der deutschen Klassik konnte Goethe der Romantik nichts Positives abgewinnen. Darüber hinaus ist aber auch zu vermuten, dass seine Abneigung der neuen Epoche gegenüber seinem Alter geschuldet ist. Als junger Mann vertrat Goethe nämlich ähnliche Ansichten als wichtiger Stürmer und Dränger. Mit der Zeit aber schwanden bei ihm vermutlich die Kräfte und der Wille, gegen System und Gesellschaft opportunieren zu wollen. Somit vermute ich, dass seine Äußerungen nicht als generelle Abneigung zu verstehen sind, sondern nur den Gemütszustand zeigen, in dem er sich während des Gesprächs befindet, und deswegen nicht sein ganzes Leben widerspiegeln.

Fazit

Abschließend gilt es zu resümieren, wieso die Romantik so wichtig ist und wie sie uns in der Moderne helfen kann. Die Romantik ist meiner Meinung nach deswegen eine so wichtige Epoche, weil sie uns lehrt, uns nicht von der Welt versklaven zu lassen, beispielsweise durch Schule oder Arbeit. Sie bringt uns auch bei, unseren Gefühlen freien Lauf zu lassen, weswegen die Romantik eine immerwährende Gültigkeit hat und weswegen es sich lohnt, die Ausstellung in der Berliner Gemäldegalerie zum Thema Romantik und Moderne zu besuchen.

Basil Bruhn, GK Deutsch, 3. Semester (Schuljahr 2016/17)

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