Eine Herzogin fördert die Bildung

Herzogin Anna Amalia und ihre Bibliothek

Fahrt des Deutsch-Leistungskurses vom 01. bis 03.September 2014 nach Weimar

Herzogin Anna Amalia wurde am 24. Oktober 1737 in Wolfenbüttel als Tochter des Herzogs Karl von Braunschweig- Wolfenbüttel und einer Schwester Friedrichs des Großen von Preußen geboren.

Sie lebte in Weimar und war mit dem Herzog Ernst August II. Konstantin von Sachsen- Weimar-Eisenach verheiratet. Dort starb sie auch am 10. April 1807. Sie gilt heute als diejenige, die die Grundlage für die Entwicklung Weimars zu einem geistigen und kulturellen Zentrum ermöglicht hat.

Anna Amalia wurde als fünftes von dreizehn Kindern geboren und erhielt wie ihre Brüder eine für den Hofadel standesgemäße Ausbildung in Naturwissenschaften, Sprachen, Geschichte und Religion, aber auch Tanz- und Zeichenunterricht. So eine Ausbildung war auch für Töchter höheren Standes nicht selbstverständlich, war aber grundlegend für Anna Amalias späteres Wirken als Regentin und Mäzenin.

Bereits mit 16 Jahren wurde sie am 16. März 1756 mit dem Herzog Ernst August II. Konstantin von Sachsen-Weimar-Eisenach vermählt und zog mit ihm nach Weimar. Dort gebar sie 1757 den Erbprinzen Carl August und 1758 den zweiten Sohn Friedrich Ferdinand Konstantin, dessen Geburt ihr Mann aber aufgrund seines frühen Todes im Mai 1758 nicht mehr erlebte. Dieser regelte in seinem Testament, dass Anna Amalia die vormundschaftliche Regentschaft für ihren ältesten Sohn Carl August bis zu dessen Volljährigkeit übernehmen durfte. Dies war für die damalige Zeit sehr fortschrittlich. Trotz ihrer Regentschaft blieb ihr genug Zeit, die Künste zu pflegen. So nahm sie Unterricht in Komposition und Klavier, schrieb und zeichnete.

Außerdem holte sie 1772 Christoph Martin Wieland in die Gruppe der Prinzenerzieher. Später kamen Goethe, Schiller und Herder nach Weimar und durch den regen geistigen und künstlerischen Austausch sprach man bald vom "Musenhof Weimar". Herzogin Anna Amalia war es auch, die das Deutsche Schauspiel in Weimar begründete und erstmals die Hälfte des Theatersaals für die Bürgerschaft öffnete, die sonst kaum Zugang zu Kunst und Literatur hatte. Ab 1775 etablierte sich eine regelmäßige Tafelrunde in ihrem Alterssitz, dem Wittumspalais, in dem sie seit dem Tod ihres Mannes lebte. Hier verkehrten unter anderem Goethe, Herder und Wieland, die einen regen Gedankenaustausch in Fragen zu Kunst, Literatur, Musik und Theater führten. Nach ihrer Regentschaft, die mit der Volljährigkeit ihres Sohnes 1775 endete, reiste sie nach Italien, um Musik und die Künste zu studieren.

Einer ihrer wichtigsten Erfolge war aber sicherlich die Einrichtung, der nach ihr benannten Bibliothek. Das von Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar errichtete fürstliche Wohnhaus wurde unter ihrer Regentschaft nach einem Entwurf von August Straßburger im Rokokostil zur Bibliothek umgestaltet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Allerdings hieß Öffentlichkeit damals nur die höchsten 300 Vertreter der Stadt, also die gebildeten Bürger und der Adel. Dies war eine für die damalige Zeit bemerkenswerte Entscheidung und so wurde die Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek zur ersten öffentlich zugänglichen Fürstenbibliothek.

Anna-Amalia-Bibliothek Weimar

Bei einem Brand 2004, dem größten Bibliotheksbrand in Deutschland seit dem 2. Weltkrieg, wurden sowohl das Gebäude als auch die Bücher und Kunstwerke stark beschädigt. Nach dreijährigen intensiven Renovierungsarbeiten konnte das Gebäude am 24. Oktober 2007, dem Geburtstag der Namensgeberin, wiedereröffnet werden. Bei den aufwendigen Restaurierungsarbeiten mussten die zweite Galerie und der Spitzbogen vollkommen neu errichtet werden. Auch das verbrannte Deckengemälde "Genius des Ruhms" von Johann Heinrich Meyer ist als Kopie wieder direkt auf die Decke gemalt worden. Des Weiteren konnte der Rokokosaal, der seit 1998 zum UNESCO- Weltkultuererbe zählt, restauriert und größtenteils mit den originalen Büchern und Kunstwerken wieder bestückt werden. Insgesamt wurden ca. 50000 Bücher vollkommen vernichtet. 118000 Bücher konnten, unterschiedlich stark beschädigt von Feuer und Löschwasser, geborgen werden. In der Folgezeit war es eine der wesentlichen Aufgaben, so viele Bücher wie möglich wiederzubeschaffen. Hierfür wurde ein Katalog eingerichtet, in dem die vernichteten Bücher aufgelistet wurden, die die Anna-Amalia-Bibliothek ersetzen möchte. So können Privatpersonen oder Institutionen Bücher oder Geld zum Wiedererwerb spenden. Insgesamt konnten so schon ca. 41000 Bücher entweder durch Geld- oder Buchspenden von Privatpersonen oder Institutionen wieder-beschafft werden. Außerdem ist die Anna-Amalia-Bibliothek Motiv vieler Kunstwerke der Gegenwart. So hat zum Beispiel der Künstler Rafael Neff, der Bibliotheken, Theater, Folianten und Opernhäuser auf der ganzen Welt fotografiert, im Zuge einer Fotostrecke auch die Anna-Amalia-Bibliothek fotografiert.

Rokokosaal

Rokokosaal

Brand 2004

Brand 2004

Abschließend lässt sich sagen, dass die Anna-Amalia-Bibliothek, vor allem der Rokokosaal, architektonisch sehr bedeutend und wertvoll ist. Als viel beeindruckender empfinde ich jedoch die geleistete Restaurationsarbeit für die beim Brand 2004 beschädigten Bücher. Dieser Brand forderte die Entwicklung gänzlich neuer Verfahren heraus, mit denen die größten Teile der betroffenen Bücher erhalten bzw. wiederhergestellt werden konnten. Dies erscheint im Besonderen bemerkenswert, da mit diesen Büchern im eigentlichen Sinne nicht mehr gearbeitet wird und sie auch nicht ausleihbar sind, sondern nur im Rahmen von Führungen dem Publikum zugänglich gemacht werden.

Text: Henriette van der Linden; LK Deutsch, 3. Semester (Schuljahr 2014/15)
Bilder: wikipedia.de (1/3); klassik-stiftung.de (2)

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