Ganz Ohr für einen Meistercellisten

Alban Gerhardt bringt 50 Schüler/innen zum Zuhören und Staunen

Unsere Klasse hatte seit langem vor und im Musikunterricht mit Frau Kloer geplant, am 8. Juni 2013 in die Philharmonie in ein Konzert zu gehen, in dem Alban Gerhardt, ein ehemaliger Schüler des Goethe-Gymnasiums, auf seinem alten, aber schönen Cello spielen sollte. Einen Tag vor seinem Auftritt in der Philharmonie besuchte uns, die Klassen 6A und 7A, der berühmte Cellist und ehemalige Schüler unserer Schule im Musikunterricht im Goethe-Gymnasiums.

Pünktlich um 11.25 Uhr mussten wir, die 6A, los zu dem Treffen im Musikraum. Als wir gespannt in den Raum gingen, waren die Stühle schon im Kreis geordnet und die 7A schon anwesend, aber noch war keine Spur von Alban Gerhardt zu sehen. Nach einer kleinen Verspätung aus privaten Gründen betrat er schließlich den Musikraum seiner ehemaligen Schule, begleitet von unserem Beifall.

Zuerst spielte er uns einige Stücke vor, so das Präludium aus der 6. Suite für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach. Dann war er bereit, unsere vielen Fragen zu beantworten:

Wie lange spielen Sie schon Cello?

Er antwortete, dass er schon, seit er 8 Jahre alt ist, Violoncello spielt und da er jetzt 44 Jahre alt sei, spiele er schon seit 36 Jahren.

Wie findet man den richtigen Ton auf dem Cello?

Wir verglichen das Cello mit dem E-Bass, der Bünde hat, so dass die Töne leichter zu finden sind. Dann zeigte Herr Gerhardt zur Demonstration einige wirklich schwierige Lagenwechsel aus dem Brahmskonzert. Er spielte uns auch den Anfang des Cello-Solos aus dem Doppelkonzert von Brahms vor, was wir im Musikunterricht schon zur Vorbereitung auf das Konzert gehört hatten.

Welche Musikinstrumente können Sie noch spielen? 

Herr Gerhardt meinte, das Violoncello sei das einzige Musikinstrument, das er – außer dem Klavier – spielen könne. Wenn er Geige spiele, dann höre es sich nicht schön an; es klinge, als wenn er das Cello andersherum spiele, d. h. die linke Hand führt den Bogen und die rechte Hand greift. Das hat er uns dann auch vorgemacht, wie er so herum gar nicht gut Cello spielen kann. 

Wie lange üben Sie?

Hier vertraute er uns an, dass jeder, der in einem Bereich oder einer Kunst sehr gut ist, dafür schon 100.000 Stunden geübt hat. Auch für das Konzert von Brahms hat er lange gebraucht, und für ein neu komponiertes Cellokonzert hat er sogar 100 Stunden gebraucht, um es zu lernen. Diese Zahl habe er selbst genau ausgerechnet, weil er es einmal genau wissen wollte. Früher hat er übrigens mehr geübt als heute, da er noch nicht so gut spielen konnte. Nun kenne er sich aber besser aus und übe etwa 2-3 Stunden pro Tag, wenn das Stück aber sehr schwierig sei, könne er im Notfall auch 9 Stunden üben.

Wie schaffen Sie es, lange Stücke auswendig zu lernen?

Er erklärte uns, dass er das Stück, d.h. das Notenbild meistens so fokussiere, dass alles verschwimmt und es sich in sein Unterbewusstsein einpräge, dann über er es mehrmals und so bekomme er die Musik in seinen Kopf. Er riet uns, seine Methode auch mal beim Lateinvokabellernen auszuprobieren.

Vorstellung
Vorstellung Vorstellung
Zwiegespräch
Zwiegespräch Zwiegespräch
Schwierige Grif...
Schwierige Griffe Schwierige Griffe
Hält der Bogen?
Hält der Bogen? Hält der Bogen?
Konzentrierte Z...
Konzentrierte Zuhörer 1 Konzentrierte Zuhörer 1
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Konzentrierte Zuhörer 2 Konzentrierte Zuhörer 2

Alban Gerhardt ist ein vielreisender Mann und übt nicht nur, sondern gibt auch viele Konzerte. Wir wollten wissen:

Fühlen Sie sich mit Ihrem Cello sehr verbunden? Ist es etwas Besonderes für Sie?

Seine Antwort lautete: "Nein. Es kommt manchmal vor, dass ich für Konzerte in andere Länder meine Cello nicht mitnehme, dann bekomme ich dort ein Cello geliehen. Außerdem finde ich mein Cello nicht besonders hübsch und für mich ist es nur ein Stück Holz, auf dem es Spaß macht zu spielen." Wichtig sei, was er mit seinen Händen und seinem Kopf könne, das könne er dann auf (fast) jedem Cello eben auch spielen.

Wer ist Ihr Lieblingskomponist?

Er meinte, dass es viele Komponisten gebe, die er mag, doch am meisten und liebsten spiele er Bach. Alban Gerhardt spielte dann etwas aus einem sehr schweren Stück für Cello von der Komponistin Unsuk Chin vor und anschließend ein Stück des berühmtesten Cellisten, der auch komponiert habe, Mstislav Rostropovitch, vor. Auf der CD von Brahms Doppelkonzert, die wir im Unterricht gehört hatten, hatte dieser Cellist nämlich das Solo gespielt.

Ist Ihnen während eines Konzerts schon einmal eine Saite gerissen?

Selbstverständlich, meinte er lachend und sagte dann, dass er in solch einem Fall z. B. das Instrument des ersten Cellisten im Orchester nähme, um weiter zu spielen. Außerdem erzählte er uns die Geschichte von seinem gebrochenen Bogen und wie er während des Stück schnell einen Ersatzbogen holte, der dann ebenfalls gebrochen sei.

Wir haben auch noch erfahren, dass seine Zeugnisnote in Musik nicht immer im Einser- oder Zweierbereich lag. Er findet es auch leichter, Solist bei Konzerten und für sich selbst verantwortlich zu sein; es wäre viel schwieriger für ihn, z.B. Torwart einer Fußballmannschaft zu sein und an einem Tor der gegnerischen Mannschaft schuldig zu sein. Zum Schluss spielte er für uns noch ein ganz schnelles Stück von J. S. Bach aus der Suite, aus der er uns am Anfang etwas vorgespielt hatte. Zum Schluss hat er die vorgesehene Zeit überzogen, weil er ja etwas später gekommen war und sogar einem Schüler ein Autogramm gegeben. Aus jeder Klasse bedankte sich ein Schüler bei Alban Gerhardt mit Worten und einem kleinen Geschenk von uns allen. Wir bedankten uns für seinen tollen und auch lustigen Besuch mit ganz viel Beifall, machten ein Gruppenfoto und verabschiedeten uns von ihm.

Gruppenfoto

Unsere "Konzertkritik" lesen Sie bitte hier ...

Text: Balkis Azzam-Borda, Finja Dechandt, Vera Klinge, Yassin Rassafi; Klasse 6a (Schuljahr 2012/13)
Fotos: Frau Dr. Weber (Schuljahr 2012/13)

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