Musik, Latein und König Ödipus

Zu Besuch bei einer Generalprobe der Berliner Philharmoniker

Am 2. Juni 2016 sind wir, die Klasse 6b, mit unserer Musiklehrerin Frau Kloer, unserer Klassenlehrerin Frau Neuß und unserer ehemaligen Mathematiklehrerin Frau Berg in die Generalprobe der Berliner Philharmoniker gegangen. Als wir in der Philharmonie ankamen, bekamen wir eine kurze Einleitung über Igor Strawinsky und seine Musik. Er hat nämlich das Stück Oedipus Rex geschrieben. Dieses Stück haben wir uns nach der Einführung angehört und angesehen. Die ganze Klasse hat sich auf die Treppen in der Halle der Philharmonie gesetzt und den Anfang der Einführung abgewartet. Außer uns waren auch noch Schüler anderer Schulen und einige Erwachsene da. Wir waren aber die Jüngsten.

Die Frau, die die Einführung übernahm, erzählte, dass Strawinsky außer den beiden Werken, die heute auf dem Programm der Berliner Philharmoniker standen (Apollon Musagète und Oedipus Rex), auch den größten Skandal der Musikgeschichte verursachte. Sein Ballettstück Le Sacre du Printemps, das man damals als schlecht bezeichnet hatte, weil die Musik sehr dissonant war, wurde von einer Choreographie begleitet, die die Zuhörer genauso wie die Musik sehr gestört hat, denn auf der Bühne traten die Tänzer komplett nackt auf.

In seiner Komposition Oedipus Rex wollte Strawinsky dieses Mal etwas anderes schaffen, sozusagen ein Spiel auf einer Konzertbühne und ein würdevolles Stück. Dafür hat er für den Chor und die Sänger den gesamten Text in Latein geschrieben, um diese Wirkung herbeizuführen. In der Einführung sagte die Frau, dass heute fast niemand mehr Latein kann, und meinte, dass es auch bestimmt keiner von uns könne. Dann war sie aber erstaunt und sehr erfreut, dass wir, die Jüngsten, die einzigen von allen waren, die noch Latein lernen.

In der griechischen Sage "Oedipus" geht es um einen jungen Mann, über den, als er gerade geboren war, ein Orakelspruch verkündet wurde: Er wird seinen Vater töten und die eigene Mutter heiraten. Als seine Eltern dies hörten, setzten sie ihn in den Bergen aus, wo ihn ein Hirte findet und zum König von Korinth bringt. Dieser zieht ihn auf. Als erwachsener Mann geht Oedipus nach Theben, wo sein Vater König ist, Oedipus weiß es aber nicht, da er ihn seit seiner Geburt nicht gesehen hat. Auf seinem Weg dorthin tötet er in einem Handgemenge seinen Vater, ohne es zu wissen. In Theben angekommen findet Oedipus die Sphinx vor, eine Kreatur, die niemanden in Theben hinein oder heraus lässt. Oedipus besiegt diese, er wird König von Theben und heiratet die Königin (seine Mutter). Doch dann sagt das Orakel, dass Oedipus seinen Vater, den König getötet hat. Als dieser es erfährt, sticht er sich vor Scham die Augen aus und seine Mutter erhängt sich.

Als wir nach der Einführung in den Saal kamen, hörten wir das Orchester schon Apollon Musagète spielen. Das Orchester stand bei diesem Stück, das nur von Geigen, Bratschen, Celli und Kontrabässen gespielt wurde. Der Konzertsaal ist sehr groß und es hingen längliche Lampen von der Decke. Überall im Saal waren Kameras, da das Konzert auch in der digitalen Konzerthalle der Philharmoniker übertragen wurde. Der Dirigent war Sir John Eliot Gardiner.

Im Stück Oedipus Rex saß das Orchester in der Mitte des Saales und das Volk wurde vom Rundfunk-Chor Berlin gesungen, wobei der Männerchor hinter dem Orchester saß. Die Mitglieder des Chores waren alle schwarz angezogen und hatten alle ihr Gesicht weiß (mit schwarz) geschminkt, wie eine Maske. Über dem Orchester hing eine Tafel und eine weitere hinten im Saal, auf die der gesungene lateinische Text des Chores und der Sänger auf Deutsch übertragen wurde, so dass das Publikum, wenn es kein Latein kann, den Inhalt verstehen konnte. Oedipus wurde von Andrew Staples, der auf Krücken wegen seines verletzten Knies gehen musste, gesungen, Kreon von Ashley Riches, Iokaste von Jennifer Johnston und Teiresias von Gianluca Buratto. Es gibt auch einen Sprecher in dem Stück, der seinen Text immer in der Sprache des Landes vorträgt, in dem das Stück gerade aufgeführt wird, also auf Deutsch. Der Sprecher war der berühmte Schauspieler Bruno Ganz. Als Bruno Ganz seinen Text vortrug, hat er sich sogar versprochen. Der Dirigent hat ihn dann anschließend korrigiert. Es war eine spannende Aufführung, die wir in der Generalprobe gesehen und gehört haben. Uns hat der Besuch in der Philharmonie sehr gefallen und wir möchten gerne einmal wieder in die Philharmonie gehen.

Text: Lorenzo Esposito, Francesca Jaschke, Zoe Karras, Adrian von Seebach, Klasse 6b (Schuljahr 2015/16)

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